Geschichte der Evangelisch-Lutherischen St. Johannisgemeinde in Köln
Die Evangelisch-Lutherische St. Johannisgemeinde in Köln gehört zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) und ist eine der Gemeinden, die bewusst an der lutherischen Bekenntnistradition festhalten. Ihre Geschichte steht in engem Zusammenhang mit den kirchenpolitischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts in Preußen und der Entstehung der sogenannten altlutherischen Gemeinden.
Der Hintergrund der Gemeindegründung liegt in der preußischen Kirchenunion von 1817, die von König Friedrich Wilhelm III. initiiert wurde. Diese Union sollte die lutherischen und reformierten Kirchen zu einer gemeinsamen evangelischen Kirche zusammenschließen. Viele Lutheraner sahen darin jedoch eine Gefahr für die eigenständige lutherische Lehre und lehnten die Union ab. Aus diesem Widerstand entstanden Gemeinden der sogenannten „Altlutheraner“, die unabhängig von der staatlichen Kirche blieben.
Gründung der Gemeinde im 19. Jahrhundert
In Köln schlossen sich Mitte des 19. Jahrhunderts lutherische Christen zusammen, die sich nicht der unierten evangelischen Kirche anschließen wollten. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Kölner Kaufmann C. A. Riemer, der 1847 gemeinsam mit Gleichgesinnten aus der evangelischen altlutherischen Gemeinde gründete. Aus dieser Gruppe entwickelte sich eine eigenständige lutherische Kirchengemeinde.
Um das Jahr 1850 wurde schließlich die Evangelisch-Lutherische St. Johannisgemeinde in Köln offiziell gegründet. Sie verstand sich von Beginn an als staatsunabhängige lutherische Freikirche, die ihre Lehre konsequent auf die Bibel und die lutherischen Bekenntnisschriften gründete.
Entwicklung der Gemeinde und ihr Kirchengebäude
Die Gemeinde entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer festen Größe innerhalb der lutherischen Freikirchen im Rheinland. Ihr ursprüngliches Kirchengebäude wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört…

… Nach dem Krieg entstand an gleicher Stelle ein neues Gotteshaus, das auf behördliche Vorgabe hin als Kirchenraum innerhalb eines Wohnhauses gestaltet werden musste.
Trotz dieser besonderen Bauform blieb die Kirche ein zentraler Ort für Gottesdienst, Gemeindeleben und kirchliche Veranstaltungen.
Anschluss an die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche
Im Jahr 1972 schlossen sich mehrere lutherische Freikirchen in Deutschland zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zusammen. Auch die St. Johannisgemeinde wurde Teil dieser Kirche und gehört seitdem zu ihrem Gemeindenetz.
Heute zählt die St. Johannisgemeinde rund 350 Gemeindeglieder und ist Teil eines größeren Gemeindeverbundes im Raum Köln, Bonn und Aachen. Das Gemeindeleben umfasst regelmäßige Gottesdienste, Seelsorge sowie Bildungsangebote wie Konfirmandenunterricht und Bibelkreise. In ihrer Liturgie orientiert sich die Gemeinde weiterhin an der traditionellen lutherischen Messe und an Martin Luthers Katechismus.

Der Altarraum der Sankt Johannis-Kirche in Köln

